Nachruf für Urs Wüthrich-Pelloli – Genosse, Politiker, Freund

Von SP Sissach u. U., 2. August 2022

von Sandra Strüby, Landrätin und Jürg Degen, ehem. Landrat

Urs Wüthrich-Pelloli war für uns eine prägende Persönlichkeit nicht nur als Politiker, sondern auch als Freund. Wir erinnern uns beide sehr gut an die erste Begegnung mit ihm:

Meine erste Begegnung mit Urs Wüthrich fand während des Landratswahlkampfes 1995 statt. Als Kandidat für den Landrat lud Urs als VPOD Zentalsekretär alle Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter zu einem Treffen in den «Löwen» ein.  Mit mir war noch ein gutes halbes Dutzend Interessierte anwesend. Wir diskutierten mit ihm über die Baselbieter Politik. Mir wurde klar: Da sitzt einer, der zu den Menschen hingeht und sie ernst nimmt. Meine Stimme hatte er auf sicher – er wurde dann auch gewählt.

Jürg Degen

Ich begegnete Urs Wüthrich zum ersten Mal als er schon Regierungsrat war. Damals nahm ich als Kandidatin für die Landratswahlen 2011 an einer Vorstandssitzung der SP Sissach und Umgebung teil. Mich beeindruckte es, dass er als Regierungsrat, der ja wirklich viele Termine und Arbeit hat, an einer Sitzung der Sektion nicht nur dabei war, sondern sie aktiv mitgestaltete und sich wertvoll einbrachte. Ich weiss nicht genau, ob er sich seiner Rolle als (von mir so gesehenen) Vorbild bewusst war. Ich glaube eher, dass es ihm einfach immer wichtig war, seine sozialen und gewerkschaftlichen Werte einzubringen und seine jahrelange Erfahrung zu teilen. Dies immer, ohne dabei besserwisserisch zu sein.

Sandra Strüby

∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼∼

Urs war immer ein engagiertes Mitglied unserer SP Sektion. Er nahm von Anfang an regen Anteil an den Aktivitäten der Partei, ja er war oft treibende Kraft für neue Projekte. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass er noch vor seiner Landrats- und Regierungsratszeit öffentliche Ämter innehatte. So war er mehrere Jahre Mitglied der Sissacher Sozialhilfebehörde. Kurze Zeit war er auch Stiftungsrat des Alters- und Pflegeheim Mülimatt, bis er dann aus parteipolitischen Gründen wieder abgewählt wurde. Aber auch als Privatperson setzte er sich bis zuletzt für die Öffentlichkeit und für Sissach ein, etwa für den Sport bei der Kunsteisbahn oder in der Kultur bei «SissachLive».

Als Regierungsrat blieb er eng mit der SP Sektion verbunden. Legendär waren die jeweiligen «Kandidierenden-Schulungen» vor den kantonalen Wahlen. Da trafen sich dann die angehenden Landratsmitglieder bei Urs zu Hause, setzten sich wie bei einer echten Podiumsdiskussion ihm gegenüber. Jetzt spielte Urs das Publikum und stellte Fragen zu Themen aus der kantonalen Politik. Anschliessend wurden die Antworten diskutiert und die Kandierenden erhielten ein hilfreiches Feedback. Zusätzlich übte man, sich an Standaktionen zu präsentieren oder wie man sich gegenüber Journalisten zu verhalten habe.

Besonders im Element war Urs auch an geselligen Anlässen der SP – zum Beispiel im «Clandestino» bei Steffi Zemp. Dort wirkte er oftmals als Koch und verwöhnte die Anwesenden mit feinen Gerichten. Bei öffentlichen Anlässen bereicherte er mit seinen herrlichen «Züpfen» meistens den anschliessenden Apéro.

Urs war ein guter Freund, offen und ehrlich. Er begeisterte sich für gute Musik, und wenn wir den gleichen Stil getroffen hatten, konnten wir zusammen schwelgen. Es kam vor, dass er plötzlich am Ende der Ferien vor der Haustüre stand und aus Italien frische Orangen oder sizilianische Melanzane vorbeibrachte: «Weisch, für e Pasta alla Norma!», sagte er dann in breitestem Berndeutsch. Oder übergab uns augenzwinkernd ein Caramel-Praliné. Es gäbe noch viel zu berichten, so etwa über die gemeinsamen Küchenerlebnisse bei den SP Bildungsveranstaltungen, oder der Suche nach Kandidierenden für den Gemeinde- oder Landrat …

Uns beide hatte Urs während unserer ganzen politischen Arbeit begleitet. So durften wir als Landratsmitglieder immer wieder seinen guten Rat einholen. Er drängte sich nie auf, machte uns aber freundschaftlich auf dies und das aufmerksam, was wir sehr schätzten. Nachdem er als Regierungsrat zurückgetreten war, ermutigte er uns, doch etwas frecher zu politisieren. Er fand, der Landrat ginge mit der Regierung zu rücksichtsvoll um.

Hoch anzurechnen war Urs, als er nach der Zeit im Regierungsrat sofort wieder im Vorstand der SP Sissach & Umgebung mitmachte. Seine Ideen und Anregungen, sein grosses Netzwerk und seine Begeisterungsfähigkeit waren im Vorstand sehr willkommen. Für die kommenden kantonalen Wahlen stellte er sich selbstverständlich als SP Wahlkampfleiter für den Wahlkreis Sissach zur Verfügung. Dazu wird es nun leider nicht mehr kommen.

Die SP Sissach & Umgebung verdankt Urs Wüthrich sehr viel. Wir verlieren einen engagierten, ehrlichen und allseits geschätzten Genossen. Er hinterlässt eine grosse Lücke! Wir danken Urs für alles, was er uns und den Menschen hier gegeben hat.