Mein erster Tag als Landrätin

Von SP Sissach, 8. Dezember 2016

Nun war er also da – mein erster Tag im Baselbieter Parlament. «Bisch närvös?» war wohl die mir meist gestellte Frage im Vorfeld. Klar war ich nervös, schliesslich geschieht einem so etwas nicht alle Tage. Es «geschieht» eigentlich auch nicht sehr vielen Menschen, also darf man doch ruhig etwas nervös sein. Aber grösser als die Nervosität war und ist sicher die Vor-Freude auf das, was mich erwartet. Freude? fragen Sie sich vielleicht. Ja, Freude auf eine neue, herausfordernde, zeitintensive, spannende, vielfältige, anstrengende, interessante und nicht zuletzt ehrenvolle Aufgabe.

Waren Sie schon einmal auf der Zuschauer-Tribüne im Landrat? Von dort aus können Sie die Landrats-Debatten verfolgen. Ich empfehle es Ihnen sehr, dies einmal zu tun. Wie wenig viele Leute über den Landrat wissen, wurde mir im Vorfeld meiner Anlobung bewusst – ich habe feierlich gelobt, die Verfassung und die Gesetze zu beachten und die Pflichten des Amtes gewissenhaft zu erfüllen. Mir ist es ja bis vor nicht allzu langer Zeit auch so ergangen. Wie oft tagt der Landrat? Wie lange dauert eine Sitzung? Wie viele Landrätinnen resp. Landräte gibt es im Baselbiet? Gibt es Redezeitbeschränkung (wäre wohl manchmal ganz ok…)? Hand aufs Herz: kennen Sie alle Antworten? Fragen Sie ein Landratsmitglied oder schauen Sie auf www.bl.ch.

Schon bald nach der Anlobung hiess es, gut aufzupassen und im richtigen Moment den richtigen Knopf zu drücken. Zum Glück sitzt zu meiner Rechten eine erfahrene Kollegin, bei welcher ich bei Verständnisproblemen nachfragen kann. Von den 29 Traktanden waren wir schlussendlich bis kurz nach halb fünf bis zum zweitletzten Traktandum vorgerückt, das ist doch erfreulich.

Einen einzelnen Entscheid möchte ich hervorheben: dass selbständige Hebammen neu resp. wieder vom Kanton bei Hausgeburten und ambulanten Wochenbett-Betreuungen für das sogenannte Wartegeld entschädigt werden, finde ich sehr gut. Erst recht, nachdem mir heute «meine» Hebamme gesagt hat, dass ihre Rechnungen nicht von allen Gemeinden bezahlt wurden… das ist doch mehr als dreist! Aber Geschichte, zum Glück.

A propos Geschichte: nach dem für mich sehr ereignisreichen Tag mit viel Neuem war es doch schön, nach Hause zu kommen, den roten Blazer an den Bügel zu hängen und mit unserem Älteren für die Geschichtsprüfung über das Mittelalter zu lernen – auch das eine gewisse Herausforderung!

Ich würde mich freuen, Sie einmal auf der Zuschauer-Tribüne zu sehen. Ich habe nämlich einen Platz «geerbt» mit bester Aussicht darauf.

 

Sandra Strüby-Schaub, Landrätin SP, Buckten